Ferdinand Vogel - Die Biografie des Namenspatrons

Ferdinand Vogel

Friedrich Wilhelm Ferdinand Vogel wurde am 9. September 1807 in Havelberg als Sohn des Konrektors der Stadtschule geboren. Als Kind wurde er vom damaligen Havelberger Domkantor Georg Kaspar Dienemann (1763-1845) zum Violinisten ausgebildet. Bereits als Neunjähriger begann er mit dem Orgelspiel, zunächst autodidaktisch, dann unter fachlicher Anleitung des Domorganisten. Er machte so rasche Fortschritte, dass er bald seinen Vater, der als Konrektor gleichzeitig Organist der Stadtkirche war, an der Orgel vertreten konnte.

Er lernte jede Woche zwei bis drei Choräle und konnte mit zehn Jahren bereits den Organistendienst des Vaters übernehmen.
Für den beruflichen Weg Ferdinand Vogels hatte der Vater zunächst die Theologie bestimmt. Deshalb besuchte er von 1821 bis 1823 das Stendaler Gymnasium. Dann wechselte er auf das berühmte Joachimsthalsche Gymnasium nach Berlin, wo er von Heinrich Birnbach in der Kompositionslehre unterwiesen wurde. Fünf Jahre lang studierte er das Orgelspiel.

Nach seinem Studienabschluss im Jahr 1831 unternahm Vogel lange Kunstreisen als Orgelvirtuose, die ihn durch Deutschland, Holland, die Schweiz sowie Dänemark und Norwegen führten. Überall wo er auftrat, waren die Zuhörer von seiner Musik begeistert, mit 24 Jahren konnte er von den Erlösen aus seinen Konzerten leben.

Zwischen 1838 und 1841 wirkte Vogel als Dirigent und Kompositionslehrer in Hamburg, gab auch weiterhin Konzerte. In dieser Zeit wurde er gemeinsam mit elf anderen deutschen Musikern Mitglied im "Harzverein", der ab 1840 viele Konzerte, auch in Norwegen, gab.
Ab 1841 wurde die dänische Hauptstadt Kopenhagen die neue Arbeits- und Lebensstation Ferdinand Vogels. Hier erweckte er mit seinen Auftritten große Begeisterung. 1845 trat er die Organistenstelle an der Reformierten Kirche an. In Kopenhagen baute Vogel eine Singakademie auf und war an der Gründung eines nordischen Singvereins beteiligt.

Seinen jährlichen Reiseurlaub von fünf Monaten nutzte er weiterhin für eigene Konzerte. Auf einer dieser Reisen kam Ferdinand Vogel in das norwegische Bergen, das für die nächsten vier Jahrzehnte seine neue Heimat werden sollte. 1852 nahm er die Organistenstelle an der dortigen Neuen Kirche an. Von der norwegischen Regierung erhielt der neue Organist den Auftrag, eine Orgelschule aufzubauen. Die finanziellen Mittel dafür stellte der norwegische Staat bereit. An dieser Orgelschule wirkte Vogel selbst als Musiklehrer. Er bildete seine Schüler im Orgelspiel und in der Harmonielehre aus. Über 100 Organisten waren Absolventen dieser Schule, der ersten öffentlichen Musikschule Norwegens überhaupt.

Nebenbei war Vogel auch als Komponist und Dirigent tätig. Er schrieb Musik für Orgel, Violine, Orchester und Gesang. Doch nicht nur die Musik war seine Passion, er schrieb auch Abhandlungen zu pädagogischen Themen, so im Jahre 1858 für das Domgymnasium Magdeburg.
Wie in Kopenhagen so war er auch in Bergen für einige Monate im Jahr von seiner Tätigkeit frei gestellt. Diese Zeit nutzte er weiterhin für Konzertreisen. In Norwegen, Dänemark, Holland, der Schweiz und in ganz Deutschland gab er an die 500 Orgelkonzerte.

Bis Ende 1880 leitete Ferdinand Vogel die Organistenschule in Bergen, dann schied er mit 73 Jahren krankheitshalber aus dem Dienst. Am 20. Juli 1892 verstarb Ferdinand Vogel im 85. Lebensjahr in Bergen, wo er auch zu Grabe getragen wurde. Noch heute wird in Norwegen das Gedächtnis an Ferdinand Vogel wach gehalten. In Bergen existiert ein "Orgelklubben Ferdinand", dessen Mitglieder selbst in Konzerten auftreten. Dieser Orgelklub hat Kontakte nach Havelberg aufgenommen. In Havelberg bemüht sich Helmut Knopf, das Leben und Werk des Organisten und Komponisten Ferdinand Vogel nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Auch eine erste kleine Ausstellung im Prignitz-Museum wurde bereits organisiert.

Autor: Frank Hoche
Museen des Landkreises Stendal
29.02.2012 |

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